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Der Umgang mit unseren Abfällen ist ein Kriterium für eine Nachhaltige Entwicklung

Ist die Oberwalliser Abfallbewirtschaftung nachhaltig?

Brig-Glis/Oberwallis.- Im Jahre 2003 ist die von mehreren Bundesämtern erarbeitete Indikatorenliste zur Nachhaltigen Entwicklung der Schweiz in Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft erschienen. Auf dieser Indikatorenliste figuriert auch der Bereich Abfall. Anlass für die Abfallberatung der Frage nachzugehen, ob sich die Oberwalliser Abfallbewirtschaftung tatsächlich auf dem Weg zu einer Nachhaltigen Entwicklung befindet.
Erklärtes Ziel der Oberwalliser Abfallbewirtschaftung ist es, Abfall möglichst zu vermeiden, zu vermindern, zu verwerten und umweltgerecht zu entsorgen. Diese Zielsetzung entspricht den übergeordneten Postulaten einer Nachhaltigen Entwicklung, namentlich, den Menschen vor gesundheitsschädigenden Einwirkungen zu schützen und die Umwelt durch nicht abbaubare Schadstoffe möglichst wenig zu belasten. Ebenso ist der Verbrauch erneuerbarer Ressourcen unter dem Regenerationsniveau zu halten. Eine Abfallbewirtschaftung ist demnach nachhaltig, wenn  durch Vermeidung und Verminderung von Abfällen der Ressourcenverbrauch, die Umweltbelastung und die Umweltrisiken reduziert werden. Diesbezüglich kann die Entwicklung im Oberwallis - bemessen an der Entwicklung der Abfallmengen - nur bedingt als nachhaltig bezeichnet werden.
 

Entwicklung der Abfallmengen

Von 1971 bis 1991 hat die Menge der Verbrennungsabfälle im Oberwallis stetig zugenommen, nämlich von etwa 5'200 Tonnen auf über 28'000 Tonnen. Dieser Wachstumstrend konnte im Jahre 1992 erfolgreich gebrochen werden, als eine ganze Reihe von Oberwalliser Gemeinden die Kehrichtsackgebühr einführte, was eine markante Abnahme des Anteils der Verbrennungsabfälle zur Folge hatte. Seither ist die Kehrichtmenge, trotz Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum, stabil geblieben und hat sich bei rund 17'500, bzw. 23'500 Tonnen (Stand 2003, inkl. Täsch und Zermatt), eingependelt - was pro Kopf und Jahr rund 305 kg ausmacht. Faktisch dürfte dieser Wert etwas höher liegen, weil darin nicht alle Anteile der brennbaren Siedlungsabfälle aus Industrie und Gewerbe enthalten sind; er bewegt sich jedoch unter dem schweizerischen Durchschnitt von 350 kg pro Person und Jahr. Per saldo hätte damit der Anteil des Verbrennungsabfalls seit anfang der 90er Jahre um immerhin 4'500 Tonnen abgenommen, was zweifellos als Erfolg in Richtung Nachhaltige Entwicklung zu werten ist. 
 

Separatsammlungen

Diese Abnahme des Verbrennungsabfalls entspricht aber nicht einer Reduktion der Gesamtmenge. Denn mit der Einführung verursachergerechter Gebühren und der Förderung der Separatsammlungen ist die Abfall-Recyclingquote, der Gewichtsanteil der separat gesammelten Abfälle (Glas, Papier, PET) usw. an den gesamten Siedlungsabfällen, enorm angestiegen, nämlich von 17% in den 70er Jahre auf 46% im Jahre 2001 – Tendenz weiter steigend. Separatsammlungen werden vom Gemeindeverband (GVO) ausdrücklich gefördert, weil die separate Erfassung von Wertstoffen umweltfreundlicher und auch kostengünstiger ist, als die Verbrennung in der KVA; durch die Verwertung und Wiederverwendung von Altstoffen werden ausserdem Ressourcen geschont. Unter dem Strich dürfte jedoch die Gesamtmenge der verbrannten und separat gesammelten Abfälle in den letzten Jahren nicht ab- sondern zugenommen haben, oder sich bestenfalls stabilisiert haben. Das Ziel der Vermeidung und Verminderung ist damit noch nicht erreicht, selbst wenn man ein gewisses Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum in Rechnung stellt. 
 

Sonderabfälle

Sonderabfälle sind Abfälle, deren umweltgerechte Entsorgung besondere Massnahmen erfordert. Produktion, Transport und Beseitigung von Sonderabfällen bergen ein gewisses Gesundheits- und Umweltrisiko in sich. Im Oberwallis wird diese Art Abfall bei der jährlichen Sammelaktion für Sonderabfälle erfasst; dieses Angebot gilt allerdings nur für Haushalte, Betriebe müssen ihre Abfälle selbst und direkt in die Lonza zur Entsorgung liefern. Daneben gibt es branchenspezifische Lösungen, wie bei- spielsweise für die Industrie oder die Spitäler.  Allein die Sammelmenge der Sonderabfälle aus den Haushalten hat sich von 12 Tonnen im Jahre 1989 auf 37 Tonnen im Jahre 2003 erhöht. Mit der Sammlung ist eine umweltgerechte Entsorgung gewährleistet, was aber nicht darüber hinwegtäuschen sollte, dass auch hier noch sehr viel vermeidbare Abfälle (Medikamente, Kosmetika, Reinigungsmittel, Farben etc.) anfallen. Dass ausserdem im Oberwallis – mit einer Ausnahme – permanennte Sammelstellen immer noch fehlen, ist sicher ein Mangel  in einer ansonsten gut ausgebauten und gut funktionierenden Entsorgungs- infrastruktur.
 

Resümee

Die Obewalliser Abfallbewirtschaftung kann – trotz beachtlicher Erfolge im letzten Jahrzehnt – noch nicht als nachhaltig bezeichnet werden, denn eine merkliche Ab- fallvermeidung und Verminderung hat bisher nicht stattgefunden. Diese setzt nämlich einen tiefgreifenden Wandel sowohl bei der Produktion (kurzlebige Produkte) und Verpackung von Waren (Verpackungsaufwand) als auch beim Konsumverhalten voraus. Die Oberwalliser Abfallbewirtschaftung ist jedoch auf einem Nachhaltigkeits- kurs, der zielstrebig weiter verfolgt werden muss. 

Abfallberatung Oberwallis

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